Raku-Keramik: Was ist das? Technik, Geschichte & Zubehör

Raku-Keramik: Was ist das? Technik, Geschichte & Zubehör

Anders, lebendig, unvorhersehbar: Das ist Raku. Wer einmal das Spiel mit dem Feuer gewagt hat, blickt nie wieder gleich auf den Brennofen. Wir bei Formwerk Berlin führen dich in eine der zugänglichsten und zugleich faszinierendsten Techniken der Keramik ein. Erfahre alles über den Prozess, die Geschichte und den besonderen Raku-Effekt.

Wenn du auf der Suche nach zuverlässigem und hochwertigem Töpferequipment bist, empfehlen wir dir, einen Blick auf unsere Seite – Formwerk Berlin – zu werfen.

Formwerk Berlin



Was bedeutet „Raku" überhaupt?

Das japanische Wort Raku (楽) lässt sich sinngemäß mit „Freude", „Zufriedenheit" oder „Genuss" übersetzen. Ursprünglich war es kein Technikbegriff, sondern ein Familienname – genauer gesagt der Name einer Töpfer-Dynastie, die bis heute in Kyoto lebt und arbeitet.

Der Töpfer Chōjirō begründete diese Linie im 16. Jahrhundert. Sein Sohn Jokei erhielt vom mächtigen Feldherrn Toyotomi Hideyoshi ein goldenes Siegel mit dem Zeichen „Raku" als persönliche Auszeichnung – und seitdem trägt die Familie diesen Namen. Von Generation zu Generation wird er weitergegeben, heute bereits in der 16. Generation. „Raku" war damit gewissermaßen ein Markenname in Familienbesitz, lange bevor er zum Oberbegriff für eine ganze Brenntechnik und Ästhetik wurde.


Ein Stück Zeitgeschichte: Die schwarze Raku-Teeschale „Suehiro“ (16. Jahrhundert) stammt direkt aus dem Studio von Chōjirō, dem Begründer der Raku-Dynastie. Sie verkörpert das Ideal der Schlichtheit, das die japanische Teezeremonie bis heute prägt. Quelle: „Tea bowl, named 'Suehiro', studio of Chōjirō“ von Daderot, lizenziert unter CC BY-SA 2.5.

Wer heute von Raku spricht, meint meist eben diesen Brennprozess, der in Japan im 16. Jahrhundert entstand und im 20. Jahrhundert im Westen eine ganz eigene Weiterentwicklung erfuhr.


Die Geschichte: Von der Teezeremonie zur Weltbühne

Raku beginnt mit einer Begegnung: Der Töpfer Chōjirō und der Teemeister Sen no Rikyū trafen sich im Japan des 16. Jahrhunderts und schufen gemeinsam etwas, das die Keramikwelt bis heute prägt. Rikyū suchte nach Teeschalen, die dem Geist des Wabi-Cha entsprachen – dem Ideal der stillen, unprätentiösen Einfachheit, weit entfernt von den üppig verzierten chinesischen Importen, die damals in Japan en vogue waren. Chōjirō formte diese Schalen von Hand, brannte sie bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen und schuf damit Objekte von geradezu asketischer Schlichtheit.

Das goldene Siegel mit dem Zeichen für „Raku" verlieh Toyotomi Hideyoshi, einer der mächtigsten Herrscher Japans, an Chōjirōs Sohn – und begründete damit die Raku-Familie, die ihre Tradition bis heute in der 16. Generation weiterführt. Der japanische Ausspruch „ichi raku, ni hagi, san karatsu" – frei übersetzt: „eins Raku, zwei Hagi, drei Karatsu" – verdeutlicht, welches Ansehen diese Keramik innerhalb der Teekultur genoss und bis heute genießt.

Das japanische Raku-Museum liegt im Stadtteils Nishijin im Zentrum von Kyoto und zeigt Stücke der beeindruckenden Sammlung der Familie Raku.

Im Westen wurde Raku im frühen 20. Jahrhundert durch den britischen Töpfer Bernard Leach bekannt, der in Japan gelebt und die Technik studiert hatte. Die entscheidende Weiterentwicklung kam aber aus Amerika: Paul Soldner begann in den 1960er Jahren, die noch rotglühenden Stücke direkt aus dem Ofen in Behälter mit brennbarem Material zu legen – Sägemehl, Stroh, Laub. Damit war das westliche Raku geboren, mit seinen charakteristischen Schmauchspuren, schillernden Reduktionseffekten und dem schwarz eingefärbten Craquelé-Netz.


Japanisches vs. westliches Raku: Der entscheidende Unterschied

Japanisches vs. westliches Raku

🍵 Japanisches Raku

FormgebungAusschließlich von Hand, keine Drehscheibe
Brenntemperaturca. 800–1000 °C
Nach dem BrandStücke kühlen an der Luft ab – kein Räuchern
ÄsthetikSchlichtheit, Asymmetrie, Wabi-Sabi
ZweckTeeschalen für die Teezeremonie

🔥 Westliches Raku

FormgebungHand oder Drehscheibe möglich
Brenntemperaturca. 900–1000 °C
Nach dem BrandGlühend in Räucherbehälter – Nachreduktion
ÄsthetikSchmauchspuren, Craquelé, Reduktionsglanz
ZweckKunstobjekte, Gefäße, Skulpturen

Der wesentliche Unterschied liegt im Abkühlungsprozess. Im traditionellen japanischen Raku kühlen die Stücke nach dem Brand an der Luft ab – kein Räuchern, kein Sauerstoffentzug.

Im westlichen Raku, wie es heute in den meisten europäischen Töpferkursen und Studios praktiziert wird, werden die Stücke rotglühend aus dem Ofen genommen und sofort in eine Metalltonne oder einen Behälter mit brennbarem Material gelegt. Der entstehende Rauch und der Sauerstoffentzug – die sogenannte Nachreduktion – sind es, die die typischen Effekte erzeugen: schillernde Glasuren, tief schwarze Craquelé-Risse und rauchige Schmauchspuren auf unglasierten Flächen.


Der Brennprozess Schritt für Schritt

Im Westen – und damit auch für die meisten Töpfer, die heute mit Raku in Deutschland beginnen – sieht der Brand so aus:

1

Formen & Schrühbrand

Aufbau oder Drehen mit grobem, schamottiertem Raku-Ton (ca. 1 cm Wandstärke). Schrühbrand bei 900–950 °C.


2

Glasieren

Raku-Glasuren mit speziellen Metalloxiden auftragen. Unglasierte Stellen werden später schwarz – das ist bewusste Gestaltung.


3

Rakubrand im Ofen

Schnelles Aufheizen auf ca. 950–1000 °C im Raku-Ofen. Wenn man selbst einen Ofen bauen bauen möchte, braucht man einen passenden Gasbrenner. Sobald die Glasur ausgeschmolzen ist und spiegelt, ist das Stück bereit.


4

Entnahme mit Zange

Das rotglühende Stück wird mit langen Raku-Zangen aus dem Ofen gehoben. Schutzausrüstung ist Pflicht: hitzebeständige Handschuhe, Schutzbrille, feuerfeste Kleidung.


5

Nachreduktion im Räucherbehälter

Das glühende Stück kommt in eine Metalltonne mit Sägemehl, Stroh oder Zeitungspapier. Deckel drauf. Alternativ eine fertige Raku-Box z.B. von Kittec. Das Material entzündet sich, verbrennt den Sauerstoff – und genau dann entstehen die typischen Raku-Effekte.


6

Abkühlen & Reinigen

Nach 15–30 Minuten das Stück herausnehmen, mit Wasser abkühlen, Rußrückstände mit Stahlwolle abschrubben – und das Ergebnis sehen.


Was macht Raku so besonders – und was solltest du wissen?

Das Unvorhersehbare ist das eigentliche Herzstück von Raku. Du kannst die Glasuren auftragen, die Räuchermaterialien wählen, den Moment der Entnahme bestimmen, aber das Ergebnis ist niemals vollständig planbar. Kupferoxid-Glasuren können durch die reduzierende Atmosphäre von Grün in leuchtendes Rot oder Pink umschlagen. Kohlenstoff dringt durch die hauchdünnen Craquelé-Risse in den Scherben ein und erzeugt das charakteristische schwarze Linienmuster. Jedes Stück ist ein echtes Unikat.

Raku erleben: Mehr als nur eine Brenntechnik. Es ist das Spiel mit dem Unvorhersehbaren, das am Ende solche einzigartigen Oberflächen und Kontraste hervorbringt.

Für den Ton gilt: Verwende immer stark schamottierten Ton, also Ton mit Beimischung von bereits gebranntem Granulat. Dieser übersteht den Temperaturschock beim Herausnehmen aus dem glühenden Ofen deutlich besser als feiner Steingut- oder Porzellanton. Außerdem bewährt sich eine Wandstärke von etwa 1 cm – zu dünne Wände brechen beim Greifen mit der Zange leicht.

Es gibt speziell für das Raku-Brennen gedachte Tone, wie zum Beispiel den Witgert Rakuvaria Extrem Ton weiß (10 kg) mit 60 % Schamotteanteil für maximale Stabilität beim schnellen Raku-Brand.

Raku eignet sich gut für dekorative Objekte, Skulpturen und Kunstobjekte. Für Gebrauchsgeschirr – also Tassen, Schüsseln, Becher – ist die westliche Raku-Technik dagegen weniger geeignet: Der Scherben bleibt porös, da die Glasurbrandtemperatur nicht hoch genug ist, um den Ton vollständig zu sintern. Das Craquelé-Rissnetz macht solche Stücke außerdem nicht lebensmittelecht und schwer zu reinigen.

Wichtig zur Sicherheit: Raku ist eine Technik mit echten Risiken. Rotglühende Keramik, offenes Feuer im Räucherbehälter und austretende Rauchgase erfordern volle Schutzausrüstung – hitzebeständige Handschuhe, Schutzbrille, feuerfeste Kleidung. Arbeite immer im Freien oder in sehr gut belüfteten Räumen. Raku ist nichts für die Küche oder den Wohnraum. Beachte bitte auch, dass Raku-Brennen von manchen Menschen im Geruch als sehr unangenehm empfunden wird. 


Ofen, Brenner & Zubehör: Was du brauchst

Raku wird in einem kleinen, schnell aufheizbaren Gasofen gebrannt, der eine große Öffnung hat – damit das Stück mit der Zange schnell entnommen werden kann. Elektroöfen sind grundsätzlich möglich, aber für den echten Raku-Effekt mit rasantem Aufheizen und direkter Entnahme sind Gasöfen klar im Vorteil. Die kurze Brenndauer – oft unter einer Stunde bis zur Zieltemperatur – macht Raku auch energetisch günstiger als lange Hochbrandzyklen.

Die Kittec CBR Classic-Line wurde speziell für Raku-Brände und andere schnelle Gasbrände bis 1.150 °C entwickelt.

Bei uns findest du den Kittec CBR Raku-Ofen in verschiedenen Größen (41 bis 179 Liter) als Top- oder Frontlader – ausgelegt für bis zu 1.150 °C und speziell für den Raku-Einsatz konstruiert.

Falls du selbst einen Raku-Ofen bauen möchtest: Als Wärmequelle dient ein Raku-Gasbrenner mit 20 oder 30 kW (Propan/Butan), der den Ofen zuverlässig und schnell auf Temperatur bringt. Für den Gasanschluss benötigst du je nach Setup einen Flaschenanschluss oder den 2-Flaschen-Adapter für höhere Brennerleistung bei längeren Sessions.

Die Temperatur im Inneren lässt sich mit der Kittec Temperaturanzeige zusammen mit einem Thermoelement zuverlässig ablesen, gerade für Einsteiger ein wichtiger Anhaltspunkt, weil man beim Raku vor allem auf das Aufschmelzen der Glasur achtet, aber eine Temperaturanzeige die Orientierung erheblich erleichtert.

Das Raku Komplettpaket vom deutschen Hersteller Kittec für den Eigenbau eines Raku Ofens.

Im Kittec Komplettpaket Raku sind die wichtigsten Bestandteile für den Selbstbau direkt aufeinander abgestimmt. Zusätzlich gibt es dann noch die Kittec Raku Box und weiteres Zubehör: Raku Zubehör


Der richtige Ton für Raku

Nicht jeder Ton übersteht den thermischen Schock des Raku-Brandes unbeschadet. Du brauchst zwingend einen Ton mit hohem Schamotteanteil. In unserem Sortiment findest du dafür mehrere bewährte Optionen:

Der Witgert Molorak Raku Ton weiß ist speziell für den Raku-Einsatz entwickelt und gilt als eine der robustesten Optionen für den Temperaturwechsel. Der Witgert Rakuvaria bietet etwas feinere Plastizität und ist gut auf der Scheibe zu verarbeiten. Noch robuster bei extremen Bedingungen ist der Witgert Rakuvaria Extrem. Wer eine helle, saubere Oberfläche für Glasurfarben bevorzugt, greift zum Sibelco Raku 5015 hell. Und der Witgert Steinzeug Nr. 11 sf ist eine vielseitige Masse, die sich sowohl für Raku als auch für Steinzeugbrände eignet.


Raku-Checkliste: Was du brauchst, um loszulegen

Raku-Checkliste

Alles, was du für deinen ersten eigenen Raku-Brand brauchst

🔥 Fertiger Ofen – direkt loslegen


Kittec CBR Raku-Ofen – Top- oder Frontlader, 41–179 L, bis 1.150 °C Ab €970,00 – alles inklusive, sofort einsatzbereit

Kittec Raku Box – kompakte fertige Lösung Ab €250,00 – alles inklusive, sofort einsatzbereit

🛠️ Für Selbstbauer – Korpus selbst bauen, Technik von Kittec


Kittec Komplettpaket Raku – Brenner, Flaschenanschluss und Zubehör als Set Ab €640,00 – Ofenkorpus wird selbst gebaut oder separat beschafft

⚙️ Einzelteile – für individuelle Konfigurationen


Raku-Brenner 20 / 30 kW – Propan/Butan Ab €250,00

Kittec Flaschenanschluss oder 2-Flaschen-Adapter €220,00 / €199,00

Temperaturanzeige + Thermoelement €199,00 + Thermoelement

🏺 Ton


Witgert Molorak Raku Ton weiß – speziell für Raku entwickelt €20,70 / 10 kg

Witgert Rakuvaria Ton weiß – gut auf Scheibe und Aufbau €16,90 / 10 kg

Witgert Rakuvaria Extrem Ton weiß – für extreme Temperaturwechsel €15,10 / 10 kg

Sibelco Raku 5015 Ton hell – helle Oberfläche, ideal für lebhafte Glasurfarben €12,70 / 10 kg

Witgert Raku- & Steinzeugmasse weiß Nr. 11 sf – vielseitig für Raku und Steinzeug €12,80 / 10 kg

🧤 Sicherheit & Handhabung


Kittec Raku Handschuhe – hitzebeständig, Pflicht beim Brand Ab €73,00

Raku-Zangen – verzinkt oder Edelstahl, für die sichere Entnahme Ab €75,00

Schutzbrille & feuerfeste KleidungGrundausstattung – nicht verhandelbar

Metalltonne mit Deckel + Sägemehl / Stroh / ZeitungspapierRäucherbehälter für die Nachreduktion – selbst zusammenstellen


Fazit: Raku als Einstieg in eine andere Art des Brennens

Raku ist keine Technik für absolute Anfänger – du solltest bereits wissen, wie Ton trocknet, was ein Schrühbrand ist und wie ein Ofen funktioniert. Aber sobald du diese Grundlagen beherrschst, öffnet Raku eine völlig neue Dimension: schnell, sinnlich, lebendig. Ein Brand, bei dem du nicht nur das Ergebnis abholst, sondern aktiv dabei bist – mit Zange, Feuer und dem wohligen Ungewissen, was als nächstes aus dem Rauch kommt.

Das japanische Wort Raku bedeutet Freude. Wer einmal dabei war, versteht warum.

PS: Im Jahr 2026 erhältst du auf Brennöfen und Raku-Equipment bei uns im Haus 5% Rabatt mit dem Code WELCOME5. Einfach beim Checkout eingeben und der Rabatt wird direkt auf den Kaufpreis angewandt.

Formwerk Berlin

Viel Freude beim Entdecken und gute Brände wünscht das Formwerk Berlin Team

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