Keramik-Bemalkurse sind ein dankbares Format, welches für Läden, Ateliers, Schulen, Cafés und Studios gleichermaßen Umsatz, Aufenthaltsdauer und einen zweiten Besuch generiert.
Die Frage, die uns beim Töpferbedarf Formwerk Berlin dazu am häufigsten erreicht: Was brauche ich, um einen eigenen Kurs anbieten zu können? Dieser Beitrag beantwortet genau das. Vom Ablauf eines Kurses über die Ofengröße bis zur Kostenaufstellung, mit konkreten Preisen und Vorschlägen.
Ein kurzer Hinweis
Wir statten regelmäßig Studios und Schulen für ihre ersten Keramikkurse aus und beraten dabei von der Ofengröße bis zur Farbauswahl. Wenn du magst, stellen wir dir ein vollständiges Startpaket zusammen: Brennofen samt Zubehör, Farben und Glasuren, Werkzeug und Rohlinge, abgestimmt auf deine Kurszahlen und deine Räume.
Schreib uns einfach, was du vorhast. E-Mail: kontakt@formwerk-berlin.de oder per Telefon: +49 30 86328433.
Hier kannst du die Checkliste als PDF herunterladen.
Inhalt
- So läuft ein Bemalkurs ab
- Was du als Anbieter brauchst: der Überblick
- Wie viele Stücke musst du brennen?
- Welcher Brennofen passt zu deinen Kursen?
- Die Stromfrage: 230 V oder Starkstrom?
- Der Raum: Platz, Abstände, Abluft
- Farben und Glasuren
- Rohlinge auswählen
- Werkzeug und Verbrauchsmaterial
- Was kostet der Einstieg wirklich?
- Häufige Fragen
So läuft ein Bemalkurs ab
Der wichtigste Unterschied zum klassischen Töpferkurs: Deine Gäste formen nichts. Sie bemalen fertige, bereits geschrühte Keramikteile. Das heißt für dich, dass nur ein einziger Brand nötig ist und du kein Handwerk unterrichten musst. Der Ablauf hat vier Schritte.
01
Der Kurs
Zwei Stunden, deine Gäste wählen ein Stück aus einer preislich gestaffelten Auswahl und bemalen es mit Unterglasurfarben. Gebrannt wird nicht am selben Tag, es gibt also keinen Zeitdruck.
02
Nachbereitung
Nach dem Kurs trocknen die Stücke, du wischst die Standflächen sauber und tauchst jedes Teil in Transparentglasur. Rechne mit 15 bis 30 Minuten pro Kurs.
03
Der Glasurbrand
Ein bis zwei Mal pro Woche brennst du alle Stücke gemeinsam, meist über Nacht bei rund 1.050 °C. Ein Programm, das du einmal einstellst und danach immer wieder abrufst.
04
Die Abholung
Nach etwa einer Woche kommen deine Gäste wieder. Genau dieser zweite Besuch ist für Läden der eigentliche Gewinn des Formats.
Merke
Geschrühte Ware spart dir den Schrühbrand. Du brauchst also nur ein Brennprogramm, nicht zwei. Das ist der Grund, warum Bemalkurse technisch deutlich einfacher sind als Töpferkurse.

Jeder Rohling durchläuft vier Stationen: 1) ausgepackter, bereits geschrühter Rohling, 2) durch Kursteilnehmer bemalt, 3) frisch in Transparentglasur getaucht, 4) fertig gebrannt. Die milchige Glasur auf Tasse drei verläuft und wird im Ofen klar.
Was du als Anbieter dafür brauchst: die schnellübersicht
Bevor wir in die Details gehen, hier die komplette Liste auf einen Blick. Mehr ist es nicht, und in den folgenden Abschnitten gehen wir jeden Punkt einzeln durch.
| Brennofen | Das größte Einzelinvestment. Die Größe richtet sich nach deiner Teilnehmerzahl, der passende Stromanschluss nach dem Modell. |
| Brennhilfsmittel | Brennplatten und Stützen, meist als Set zum Ofen. Ohne sie kannst du den Ofen nicht in Ebenen beladen. |
| Stromanschluss | Ein eigener, ausreichend abgesicherter Stromkreis, installiert von einer Elektrofachkraft. Gegebenenfalls reicht eine übliche Haushaltssteckdose (hängt vom Ofen ab). |
| Raum | Sicherheitsabstände, nicht brennbarer Untergrund, Lüftungsmöglichkeit und ein Transportweg, der zum Ofengewicht passt. |
| Unterglasurfarben | Damit malen deine Gäste. Acht Kernfarben plus dutzende Akzentfarben nach Geschmack. |
| Transparentglasur | Die Abschlussschicht, die du nach dem Kurs aufträgst. Erst sie macht das Stück nutzbar. |
| Rohlinge | Geschrühte Tassen, Teller, Schalen und Deko. Am besten in mehreren Preisstufen. |
| Werkzeug | Pinsel, Tauchgefäße, Tauchzange, Handschuhe, Kegel zur Temperaturkontrolle, dazu Verbrauchsmaterial für die Kurstische. |
Wie viele Stücke musst du brennen?
Diese Zahl entscheidet über alles Weitere, vor allem über die Ofengröße. Die einfache Rechnung lautet: Teilnehmer pro Kurs × Kurse pro Woche = Stücke pro Woche. Rechne dabei nicht mit der Maximalbelegung, sondern mit deiner realistischen Auslastung, gerade in den ersten Monaten.
Zwei Punkte solltest du aber gleich einplanen, sonst rechnest du dich zu klein. Erstens malen viele Gäste nicht nur ein Stück, gerade bei Geburtstagen und Gutscheinen. Zweitens sind die Stücke gemischt. Die folgende Tabelle geht von einem kleinen Rohling pro Person aus, etwa einer Tasse. Sobald Teller, Schalen oder Vasen dazukommen, brauchst du pro Stück deutlich mehr Stellfläche, und dieselbe Personenzahl füllt schnell die nächstgrößere Ofenklasse. Plane im Zweifel eine Klasse größer als die reine Personenzahl vermuten lässt.
| Kursformat | Stücke pro Woche | Ofen: Für einen Brand pro Woche | Ofen: Bei zwei Bränden pro Woche |
|---|---|---|---|
| 1 Kurs, 8 Personen | ca. 8 | ab ca. 57 Liter | nicht nötig |
| 2 Kurse, je 10 Personen | ca. 20 | ab ca. 95 Liter | ab ca. 57 Liter |
| 3 Kurse, je 12 Personen | ca. 36 | ab ca. 125 Liter | ab ca. 95 Liter |
| Kurse plus offenes Bemalen | 50 und mehr | ab ca. 160 Liter | ab ca. 95 bis 125 Liter |
Die Angaben sind grobe Richtwerte für kleine Stücke und einen Rohling pro Person. Bei gemischter Ware mit Tellern, Schalen oder wenn Gäste mehrere Teile bemalen, rechne mit rund einer halben Ofenladung mehr. Eine kurze Beratung zur richtigen Ofenwahl nimmt dir diese Unsicherheit ab.
Warum die Volumenangabe nicht linear mitwächst: Beim Glasurbrand dürfen sich die Stücke nicht berühren, anders als beim Schrühbrand. Jedes Teil braucht seine eigene Standfläche plus Sicherheitsabstand. Als Faustwert kannst du für eine Tasse rund 10 × 10 cm Stellfläche rechnen, für einen Teller mit 20 cm Durchmesser entsprechend mehr.
Welcher Brennofen passt zu deinen Kursen?
Der regelmäßiger Fehler beim Ofenkauf ist, nur auf die Literzahl zu schauen. Für dich zählt etwas anderes: Stellfläche mal Anzahl der Ebenen. Zwei Öfen mit identischem Volumen können völlig unterschiedlich viele Tassen fassen, je nachdem ob das Volumen über die Breite oder über die Höhe entsteht.
Faustregel aus unserer Praxis
Entscheidend ist nicht das Volumen, sondern wie viele Ebenen in die Kammer passen. Brennplattenstützen gibt es in festen Höhen, meist 25, 50, 75, 100, 125 und 150 mm. Für eine Tasse von rund 10 cm Höhe brauchst du deshalb die 125er Stütze, dazu kommt die Brennplatte mit gut einem Zentimeter. Rechne also mit etwa 14 cm pro Ebene und teile die Brennraumhöhe durch diesen Wert. Für flache Teller und Schalen kommst du mit sieben bis neun Zentimetern pro Ebene aus und bekommst entsprechend mehr Ebenen unter, für Vasen und Krüge entsprechend weniger.
Fünf Modelle, die für Kursbetriebe in Frage kommen
Wir arbeiten überwiegend mit Öfen der deutschen Hersteller Kittec und Pyrotec. Die folgenden fünf Modelle decken die typischen Situationen ab, vom kleinen Ladenlokal bis zum ausgelasteten Kursbetrieb.
| Modell | Brennraum | Anschluss | Max. Temperatur | Tassen je Brand |
|---|---|---|---|---|
|
Kittec CB 60 57 Liter |
Ø 400 × 460 mm | 230 V, 16 A | 1.230 °C | 24 bis 27 |
|
Kittec CB 60 Double 57 Liter |
Ø 400 × 460 mm | 230 V, 16 A | 1.320 °C | 24 bis 27 |
|
Kittec CB 95 PLUS 95 Liter |
Ø 510 × 460 mm | 230 V, 16 A | 1.150 °C | 42 bis 48 |
|
Kittec ECO 70 S 68 Liter |
Ø 430 × 460 mm | 400 V, 2 × 12 A | 1.320 °C | 27 bis 33 |
|
Kittec ECO 95 S 95 Liter |
Ø 510 × 460 mm | 400 V, 3 × 10 A | 1.320 °C | 42 bis 48 |
Alle fünf Modelle haben 460 mm Brennraumhöhe und bieten damit drei Brennebenen. Der Unterschied in der Kapazität entsteht allein über den Durchmesser. Die Spalte Tassen je Brand ist ein Bestwert für kleine Stücke. Sobald Teller und größere Teile dazukommen, halbiert sich die Zahl schnell, weil sich im Glasurbrand nichts berühren darf.
Kittec CB 60. Der Einstieg für ein bis zwei kleine Kurse pro Woche oder für Läden und Cafés, die Bemalen als Nebenformat anbieten. Er läuft an einer normalen Steckdose, ist mit rund 75 kg vergleichsweise leicht und braucht wenig Stellfläche. Der Nachteil: Sobald mehr als zwei gut besuchte Kurse oder gemischte, größere Ware dazukommen, musst du zweimal pro Woche brennen und hast kaum Puffer für Wochenendspitzen oder Geburtstage. Wer von Anfang an gewerblich plant, fährt mit einem 95 Liter Ofen entspannter.
Der Kittec CB 60 Brennofen, mit gelben Untergestell
Kittec CB 60 Double. Gleicher Brennraum, aber mit doppelter Isolierung und Energiesparpaket ab Werk. Er verbraucht weniger, verschleißt langsamer und erreicht höhere Temperaturen, du könntest später also auch Steinzeug brennen. Der Nachteil: Er kostet spürbar mehr als der CB 60, ohne ein einziges Stück mehr zu fassen.

Der Kittec CB 60 Double Brennofen, mit rotem Untergestell
Kittec CB 95 PLUS. Der Sonderfall für alle ohne Starkstrom: 95 Liter an einer normalen Steckdose. Damit passt dein komplettes Wochenpensum in einen Brand. Der Preis dafür sind drei Dinge. Die begrenzte Leistung von 3,6 kW heizt einen großen Brennraum entsprechend langsam auf. Die Maximaltemperatur liegt bei 1.150 °C, für Bemalkurse bei rund 1.050 °C ausreichend, für spätere Steinzeugbrände aber nicht. Und er wiegt mit 110 kg mehr als der größere ECO 95 S, weil die dickere Isolierung für den 230 V Betrieb aufträgt. Das ist beim Transport in einen Keller relevant.
Der Kittec CB 95 PLUS Brennofen, mit grünem Untergestell
Kittec ECO 70 S. Der Einstieg in die Starkstromklasse. Mehr Volumen als der CB 60 zu ähnlichem Preis, dazu 5,6 kW statt 3,6 kW, er ist also deutlich schneller fertig. Voraussetzung ist ein 400 V Anschluss, der bei einem Neubezug oder Umbau oft ohnehin mitgeplant werden kann.
Der Kittec ECO 70 S Brennofen mit rotem Untergestell
Kittec ECO 95 S. Für zwei bis drei gut besuchte Kurse pro Woche unsere häufigste Empfehlung. Gleiche Brennraumhöhe wie der CB 60, aber 510 statt 400 mm Durchmesser, das sind gut 60 Prozent mehr Stellfläche pro Ebene. Damit brennst du einmal pro Woche statt zweimal. Zu bedenken: Er ist mit 95 kg und 770 × 850 mm Außenmaß spürbar größer, und das Energiesparpaket ist hier nicht serienmäßig dabei.

Der Kittec ECO 95 S mit rotem Untergestell
Einen aktuellen Vergleich verschiedener Modelle findest du in unserem Beitrag Brennöfen im Vergleich: Die 5 besten Brennöfen für Töpfer 2026.
Toplader oder Frontlader?
Für Bemalkurse als erstes Keramik-Angebot ist der Toplader oftmals die richtige Wahl. Er kostet bei gleichem Volumen deutlich weniger, braucht keine Schwenkfläche für eine Tür und du siehst beim Beladen von oben perfekt, ob sich Stücke berühren. Dein Brenngut ist klein und leicht, das Beladen von oben ist also unkritisch.
Ein Frontlader lohnt sich, wenn du täglich brennst, mit sehr großen Volumina arbeitest oder aus ergonomischen Gründen nicht in einen Ofen hineingreifen möchtest. Bei 230 V ist die Auswahl allerdings klein, und die Geräte sind bei gleicher Kapazität teurer und schwerer. Worauf du bei der Ofenwahl sonst noch achten solltest, haben wir hier zusammengefasst: Brennofen kaufen: Welche Größe, Leistung und Technik brauchst du wirklich?

Auf dem Bild ist ein Toplader-Ofen abgebildet, der von oben be- und entladen wird.
Die Stromfrage: 230 V oder Starkstrom?
An dieser Stelle bleiben die meisten Planungen hängen. Die gute Nachricht vorweg: Du brauchst nicht zwingend Starkstrom. Für Bemalkurse wird bei rund 1.050 °C gebrannt, und diese Temperatur erreichen auch 230 V Öfen problemlos.
Was du bei 230 V beachten musst:
- Der Ofen zieht dauerhaft rund 3,6 kW über sechs bis zehn Stunden. Er braucht deshalb einen eigenen, mit 16 A abgesicherten Stromkreis, keine Verlängerungskabel und keine Mehrfachstecker.
- Die Leistung ist bei 230 V technisch auf etwa 3,6 kW gedeckelt. Größere Öfen heizen dadurch langsamer auf, was bei einem Brand über Nacht aber selten stört.
- Es gibt auch 230 V Öfen mit 95 Litern. Sie erreichen dann eine niedrigere Maximaltemperatur, was für Bemalkurse völlig ausreicht, für späteres Steinzeug aber nicht.
Starkstrom lohnt sich, wenn du ohnehin baust oder umbaust. Ab 400 V öffnen sich größere Modelle, die Aufheizzeit sinkt spürbar, und du bekommst pro Liter oft mehr Ofen fürs Geld. Wenn ein Elektriker ohnehin kommt, lass gleich eine vollwertige fünfpolige CEE16 Steckdose setzen, damit bist du für jedes Modell dieser Klasse gerüstet.
Bitte einplanen
Lass den Anschluss in jedem Fall von einer Elektrofachkraft prüfen oder installieren, bevor der Ofen geliefert wird. Ein Brennofen läuft über Stunden unter nahezu Volllast, und ältere Leitungen, gemeinsam genutzte Stromkreise oder unpassende Absicherungen sind eine reale Brandgefahr. Ein Termin mit dem Elektriker kostet dich einmal wenig Zeit und Geld und nimmt das Risiko komplett aus deinem Betrieb.
Der Raum: Platz, Abstände, Abluft
Ein Brennofen darf in einen Keller, einen Nebenraum oder eine Werkstatt, aber nicht in jeden beliebigen Raum. Vier Punkte solltest du vorab klären.
| Abstände | Rundum 30 bis 50 cm zu Wänden und allem Brennbaren. Kartons, Regale und Verpackungsmaterial müssen aus der Ofenecke verschwinden. |
| Untergrund | Auf Laminat, Parkett oder Teppich gehört eine nicht brennbare Unterlage, etwa Steinplatten oder Fliesen. Der Boden muss eben und tragfähig sein. |
| Lüftung | Beim Brennen entstehen Ausdünstungen, vor allem in den ersten Stunden. Ein Fenster, das sich während des Brands öffnen lässt, ist Pflicht. Ein flexibler Abluftschlauch vom Ofenstutzen zum Fenster ist die einfachste Lösung. |
| Transportweg | Öfen dieser Klasse wiegen 70 bis 100 kg und kommen auf Palette. Miss Türbreiten, Treppen und Aufzug aus, bevor du bestellst, nicht danach. |
Farben und Glasuren
Für Bemalkurse arbeitest du mit zwei Produktgruppen, und dieses Prinzip solltest du einmal verstanden haben, danach ist es simpel.
Unterglasurfarben sind das, womit deine Gäste malen. Sie verzeihen Fehler, lassen sich mischen und übermalen, trocknen matt und sind unproblematisch im Umgang, auch für Kinderhände. Die AMACO Velvet Serie ist hier ein verbreiteter Standard in Kursbetrieben, weil sie verlässlich ausbrennt und ein großes Farbspektrum bietet.
Die Unterglasurfarben der AMACO Velvet Serie
Transparentglasur kommt nach dem Kurs oben drauf. Du tauchst jedes Stück ein, brennst einmal, fertig. Erst diese Schicht macht das Stück lebensmittelecht, spülmaschinengeeignet und je nach Produkt glänzend oder matt.
Denn Transparentglasuren gibt es in beiden Varianten. Beide werden identisch gebrannt, bei derselben Temperatur, im selben Durchgang, der Unterschied liegt allein darin, in welches Gefäß du das Stück nach dem Kurs tauchst. Wer möchte, kann seinen Gästen damit die Wahl zwischen mattem und glänzendem Finish lassen, ohne im Ablauf etwas zu ändern.
Praktischer Tipp für den Kursbetrieb: Lass deine Gäste mit Bleistift Namen und Finish-Wunsch auf den Boden des Stücks schreiben. Bleistift brennt rückstandsfrei aus, und im gemeinsamen Brand kommt nichts durcheinander.
Dieser Becher wurde mit der LM-10 Transparent Matte veredelt, sodass er statt einer glänzenden eine matte Oberfläche erhält.
Rohlinge auswählen
Ein Hinweis zum Begriff, weil er in der Töpferei zwei Bedeutungen hat: Im Werkstattgebrauch meint Rohling meist das ungebrannte Stück. Im Bemalkursbereich hat sich der Begriff dagegen für bereits geschrühte Ware eingebürgert, die du auch als Bisquitware oder geschrühte Ware findest. Genau die brauchst du, also fertig geformte und einmal gebrannte Tassen, Teller, Schalen, Vasen und Deko-Objekte.
Technisch müssen sie zu deiner Glasur passen. Für Bemalkurse arbeitest du im Niedrigbrand, die Ware muss also im Steingutbereich liegen und für einen Glasurbrand um 1.050 °C ausgelegt sein. Steht das nicht klar in der Artikelbeschreibung, frag beim Lieferanten nach oder lass es dir von jemandem prüfen, der die Glasuren kennt.
Kaufmännisch lohnt sich eine Preisstaffelung. Wenn du Ware in drei Preisklassen anbietest, kannst du unterschiedliche Kurspreise abbilden, vom günstigen Feierabendkurs bis zum Geburtstagsformat mit größeren Stücken. Kalkuliere den Rohling nicht als Kostenblock, sondern als Umlaufware: Er ist über den Kurspreis sofort wieder eingespielt.

Ein Keramikrohling vor dem Bemalen. Die Rohlinge gibt es in allen erdenklichen Formen. Von minimalistisch zu extravagant.
Werkzeug und Verbrauchsmaterial
Hier wird es kleinteilig, und genau daran scheitern die ersten Kurse. Nicht am Ofen, sondern daran, dass zwölf Leute mit vier Pinseln dasitzen. Teile die Liste in zwei Kategorien: Fachbedarf, den du beim Töpferbedarf kaufst, und Verbrauchsmaterial, das du günstiger vor Ort besorgst.
Auszug aus unserer Ausstattungs-Checkliste
Fachbedarf
- Unterglasurpinsel in drei Stärken, rechne zwei bis drei pro Platz plus Reserve
- Glasurtauchzange und Hitzehandschuhe
- Zwei verschließbare Tauchgefäße, je eines für glänzend und matt
- Rührwerkzeug und Glasursieb für die Pflege der Tauchglasuren
- Ortonkegel, in Deutschland auch als Segerkegel bekannt, zur Temperaturkontrolle bei den ersten Bränden
Vor Ort besorgen
- Wasserbecher, Mischpaletten und Schwämme, je einen Satz pro Platz
- Bleistifte, Küchenrolle, abwaschbarer Tischschutz, Schürzen
- Ein Regal mit zwei beschrifteten Bereichen: wartet auf Brand, wartet auf Abholung
Die vollständige Liste mit allen Mengenangaben und einer Raumcheckliste haben wir als PDF zusammengestellt. Hier kannst du die Checkliste herunterladen.
Was kostet der Einstieg also?
Jetzt zum Punkt, der die meisten am stärksten interessiert und über den kaum jemand offen schreibt. Die folgenden Preise sind Richtwerte für Öfen der Hersteller Kittec und Pyrotec, Stand 2026. Die angegebenen Preise sind Brutto.
Der Ofen
| Klasse | Anschluss | Tassen je Brand | Richtpreis |
|---|---|---|---|
| Einstieg, ca. 40 Liter | 230 V | 12 bis 15 | ab ca. 2.100 € |
| Kursbetrieb, ca. 57 Liter | 230 V | 24 bis 27 | ca. 2.350 bis 2.900 € |
| Kursbetrieb, ca. 95 Liter | 230 V | 42 bis 48 | ab ca. 3.100 € |
| Kursbetrieb, ca. 68 Liter | 400 V | 27 bis 33 | ab ca. 2.200 € |
| Studio, ca. 95 Liter | 400 V | 42 bis 48 | ab ca. 2.400 € |
| Studio groß, ab 125 Liter | 400 V | 55 und mehr | ab ca. 2.800 € |
Auffällig und für viele überraschend: Ein 95 Liter Ofen mit Starkstrom kann günstiger sein als ein 57 Liter Ofen mit besonders guter Isolierung für 230 V. Wer die Möglichkeit hat, eine Starkstromleitung legen zu lassen, bekommt deutlich mehr Ofen fürs Geld.
Was zwingend dazugehört
| Brennset (Brennplatten und Stützen, ohne die du den Ofen nicht in Ebenen beladen kannst) | 145 bis 370 € |
| Speditionslieferung innerhalb Deutschlands | ca. 125 € |
| Elektroinstallation durch eine Fachkraft, je nach Aufwand vor Ort | 200 bis 800 € |
Sinnvolle Optionen
| Energiesparpaket, bessere Isolierung, weniger Verbrauch und Verschleiß | 285 bis 400 € |
| Transportrollen, damit der Ofen zum Putzen bewegt werden kann | 90 bis 155 € |
| Abluftschlauch, je laufender Meter | ca. 36 € |
| Nivellierfüße zum Ausgleich unebener Böden | ca. 70 € |
| Aufstellservice mit Einweisung, ebenerdig bis Treppentransport | 240 bis 510 € |
| Steuerung mit WLAN, Brennverlauf per App überwachen | ab ca. 60 € |
Farben, Werkzeug, Rohlinge
- Farbpalette für den Start: Acht Kernfarben in der großen Gebindegröße plus acht bis zwölf Akzentfarben in kleinen Flaschen. Rechne mit 250 bis 350 €. Zusätzliche Farben kosten in der kleinen Größe nur wenige Euro, hier lohnt sich Vielfalt.
- Transparentglasur: Pro Gebinde mit 3,8 Litern rund 66 €. Du brauchst mindestens zwei, eines zur Erstbefüllung des Tauchgefäßes und eines als Nachschub. Wer matt und glänzend anbietet, entsprechend vier.
- Werkzeug-Starterset für zwölf bis fünfzehn Plätze: rund 250 €.
- Rohlinge: je nach Form 2 bis 6 € pro Stück. Für drei Monate bei mittlerer Auslastung landest du bei etwa 1.000 €, die über die Kurspreise direkt wieder hereinkommen.
Zwei Beispielrechnungen
Schlanker Start, ein bis zwei Kurse pro Woche
Ofen 57 Liter mit Brennset und Lieferung, Farbpalette, Werkzeug, erste Rohlinge
ca. 3.500 €
Ausgebauter Kursbetrieb, zwei bis drei Kurse pro Woche
Ofen 95 Liter mit Energiesparpaket, Brennset, Lieferung und Aufstellservice, volle Farbpalette, Werkzeug für fünfzehn Plätze, Rohlinge für drei Monate
ca. 5.400 €
Nicht enthalten ist die Elektroinstallation, weil sie stark von deinen Gegebenheiten abhängt. Etwa ein Fünftel der Summe entfällt auf Rohlinge, also auf Umlaufware, die über die Kurspreise wieder hereinkommt.
Und die laufenden Kosten?
Ein Glasurbrand kostet dich je nach Ofengröße zwischen 5 und 14 € Strom. Bei einem Brand pro Woche sind das rund 400 € im Jahr. Dazu kommen Farben und Glasuren im Nachschub, die sich nach deiner tatsächlichen Kursauslastung richten. Wie du deinen Verbrauch genau berechnest, zeigen wir im Beitrag Wie viel Strom braucht ein Brennofen für Keramik?
Häufige Fragen
Brauche ich Starkstrom für Keramikkurse?
Nein. Bemalkurse werden bei rund 1.050 °C gebrannt, das schaffen auch Öfen mit 230 V. Wichtig ist ein eigener, mit 16 A abgesicherter Stromkreis. Starkstrom lohnt sich, wenn du ohnehin baust oder größere Volumen brennen willst.
Welche Ofengröße brauche ich für einen gewerblichen Kursbetrieb?
Für ein bis zwei kleine Kurse pro Woche reicht ein 57 Liter Ofen. Sobald du regelmäßig zwei bis drei gut besuchte Kurse fährst, mit gemischter Ware oder Geburtstagen, ist ein 95 Liter Ofen die vernünftigere Basis. Er gibt dir Puffer für Spitzen und du brennst nur einmal statt zweimal pro Woche.
Wie lange dauert ein Glasurbrand?
Rechne mit sechs bis zehn Stunden Aufheizen und zwölf bis vierundzwanzig Stunden Abkühlen. Wer abends startet, räumt am nächsten Tag aus. Deshalb brennen die meisten Kursanbieter über Nacht.
Darf ein Brennofen im Keller stehen?
Ja, wenn Abstände, ein nicht brennbarer Untergrund und eine Lüftungsmöglichkeit gegeben sind. Ein Kellerfenster reicht in Kombination mit einem Abluftschlauch in der Regel aus.
Muss ich die Rohlinge zweimal brennen?
Nein. Geschrühte Ware hat ihren ersten Brand bereits hinter sich. Bei dir läuft nur der Glasurbrand, also ein Durchgang pro Stück.
Wie viele Farben brauche ich am Anfang?
Acht Kernfarben decken den Bedarf ab, alles darüber ist Auswahl für deine Gäste. Weil kleine Farbgebinde günstig sind, lohnt es sich, bei den Akzentfarben in die Breite zu gehen. Die volle Farbwand ist für viele Teilnehmerinnen der erste Wow-Moment.
Sind die bemalten Stücke lebensmittelecht?
Ja, sofern du eine lebensmittelechte Transparentglasur verwendest und korrekt brennst. Das ist Standard bei den gängigen Serien für Bemalkurse.
Kann ich Farben verschiedener Hersteller mischen?
In der Regel ja, solange du im selben Brennbereich bleibst. Unterschiede gibt es bei der Deckkraft. Wir empfehlen, vor dem ersten Kurs ein paar Probescherben zu brennen.
Wie lange dauert es von der Bestellung bis zum ersten Kurs?
Der Engpass ist fast immer die Ofenlieferung. Je nach Modell und Saison solltest du mit mehreren Wochen bis wenigen Monaten planen. Farben, Glasuren und Werkzeug sind deutlich schneller verfügbar.
Fazit
Keramik-Bemalkurse sind technisch einfacher, als die meisten vermuten. Ein Brand, ein Programm, ein Ofen. Die eigentliche Arbeit liegt in der Vorbereitung: die richtige Ofengröße für deine Kurszahlen, ein sauber geplanter Stromanschluss und ein Raum, der die Anforderungen erfüllt. Wer diese drei Punkte vorab klärt, hat den schwierigsten Teil hinter sich. Und wer gewerblich plant, sollte die Ofengröße lieber eine Klasse großzügiger wählen, als sich später über zu wenig Kapazität zu ärgern.
Wenn du konkret wirst
Wir statten regelmäßig Läden, Cafés und Studios für ihre ersten Keramikkurse aus und kennen die Fragen, die dabei aufkommen, aus der Praxis. Statt einer Modellliste bekommst du von uns ein durchgerechnetes Angebot für dein Vorhaben: passende Ofengröße für deine Kurszahlen, das nötige Zubehör, eine Startpalette an Farben und die Rohlinge dazu.
Für Kursanbieter haben wir außerdem ein Partnerprogramm: vergünstigte Konditionen, ein Portrait deines Hauses auf unserer Seite und ein Rabattcode, den du nach dem Kurs an deine Gäste weitergeben kannst.
Schreib uns einfach, wie viele Kurse du planen willst und wie dein Raum aussieht, gerne mit ein paar Fotos. Den Rest rechnen wir für dich durch.
E-Mail: kontakt@formwerk-berlin.de oder Telefon: +49 30 86328433
Hinweis: Alle genannten Preise, Temperaturen und Mengen sind Richtwerte, Stand 2026. Tatsächliche Werte hängen von Modell, Ausstattung, Auslastung und Strompreis ab. Für die elektrische Installation und den sicheren Betrieb eines Brennofens empfehlen wir die Prüfung durch eine qualifizierte Elektrofachkraft.
Viel Erfolg mit deinen Kursen wünscht das Formwerk-Berlin Team
