Du hast deinen ersten Schrühbrand hinter dir und fragst dich, was als nächstes passiert. Kann man Keramik eigentlich auch zweimal, dreimal oder noch öfter brennen?
Die kurze Antwort: Ja. Keramik wird in der Regel zweimal gebrannt – und manchmal sogar dreimal oder öfter. Dahinter steckt kein unnötiger Aufwand, sondern handfeste chemische und handwerkliche Gründe. Wir bei Formwerk Berlin erklären dir in diesem Artikel, warum das so ist, was bei jedem Brand passiert und wann ein dritter oder vierter Brand tatsächlich sinnvoll ist.
Wenn du noch ganz am Anfang stehst und dich fragst, wie lange dein Ton überhaupt trocknen muss, bevor er überhaupt in den Ofen darf, findest du alles Wichtige hier: Wie lange muss Ton vor dem Brennen trocknen?

Dieser Beitrag ist verfasst von dem Töpferbedarf Formwerk Berlin.
Warum wird Keramik überhaupt mehrmals gebrannt?
Um das zu verstehen, hilft ein Blick darauf, was beim Brennen mit dem Ton passiert. Wenn du knochentrockenen Ton zum ersten Mal in den Ofen gibst, ist er zwar fest, aber noch porös und chemisch gesehen noch Ton. Erst durch Hitze laufen irreversible chemische Reaktionen ab: Kristallwasser entweicht, organische Bestandteile verbrennen, Tonminerale beginnen sich zu verbinden.

Das Ergebnis dieses ersten Brandes nennt man Scherben oder Biskuit – ein fester, dauerhaft veränderter Körper, der nicht mehr in Wasser aufgelöst werden kann. Er ist aber bewusst noch porös gehalten, weil er im nächsten Schritt Glasur aufnehmen soll. Und diese Glasur braucht ihrerseits einen eigenen Brand, um zu schmelzen und sich mit dem Scherben zu verbinden. Daher mindestens zwei Brände.
Die Übersicht: Wie viele Brände sind möglich?
Je nach Technik, Glasur und Dekor kann ein Keramikstück einen, zwei, drei oder sogar noch mehr Brände durchlaufen. Hier ist ein Überblick:
① Schrühbrand (Rohbrand / Biskuitbrand)
Immer der erste Schritt – aus Grünware (ungebrannter Ton) wird Scherben (Schrühware)
- Temperatur: 900–1000 °C
- Ton wird hart, bleibt aber porös
- Glasur kann jetzt gut aufgetragen werden
② Glasurbrand (Glattbrand / Garbrand)
Der zweite Brand – Glasur schmilzt auf den Scherben
- Temperatur: 1000–1280 °C (je nach Tonart und Glasur)
- Glasur verschmilzt zu glatter, wasserundurchlässiger Schicht
- Für die meisten Stücke ist hier Schluss
③ Farbbrand (Dekorbrand / Muffelbrand)
Dritter Brand – für feine Aufglasurfarben und Dekore
- Temperatur: 750–850 °C
- Farben schmelzen in die fertige Glasur ein
- Wird vor allem bei Porzellan und Fayence eingesetzt
④ Korrekturbrand / weiterer Glasurbrand
Sonderfall – nicht die Regel
- Glasur nachbessern, zweite Glasurlage oder spezielle Effekte
- Ergebnis schwer vorhersehbar, aber manchmal sinnvoll
- Höchstens auf gleicher oder niedrigerer Temperatur wiederholen
Brand 1: Der Schrühbrand – was passiert da genau?
Der Schrühbrand ist der erste Brand, dem ein Keramikstück unterzogen wird. Er findet typischerweise bei Temperaturen zwischen 900 und 1000 °C statt. Das klingt nach viel – und das ist auch viel. In diesem Temperaturbereich passieren mehrere Dinge gleichzeitig.
Diese Werkstücke müssen vor dem Brand "knochentrocken" sein, um den Stressmomenten des Quarzsprungs im Ofen standzuhalten.
Bis etwa 150 °C entweicht noch verbliebenes freies Wasser als Dampf – das ist der Grund, warum knochentrockene Stücke trotzdem noch langsam aufgeheizt werden müssen. Zwischen 200 und 600 °C verbrennen organische Bestandteile und Verunreinigungen im Ton, es kann leicht qualmen und der Brennofen sollte gut belüftet sein. Ab etwa 573 °C durchläuft Quarz eine Kristallgitterumwandlung (Quarzinversion) – ein kurzer Stressmoment für das Material, bei dem die Aufheizrate nicht zu schnell sein sollte. Zwischen 600 und 900 °C verlässt das chemisch gebundene Kristallwasser den Ton endgültig und die Tonminerale beginnen zu sintern, sich also zu verbinden.
Wichtig zu wissen: Dieser Stressmoment gilt auch für den Weg nach unten! Beim Abkühlen durchläuft das Material den Quarzsprung erneut. Wer den Ofen aus Neugier zu früh öffnet, riskiert durch den Kälteschock feine Risse im Scherben. Geduld ist hier die wichtigste Zutat – lass den Ofen mindestens bis unter 200 °C geschlossen.
Das Ergebnis: ein poröser, dauerhafter Scherben, der sich nicht mehr in Wasser auflöst, gut in der Hand liegt und Glasur wie ein Schwamm aufsaugt. Genau das macht ihn für den nächsten Schritt so wertvoll.
Wichtig beim Einräumen: Beim Schrühbrand dürfen sich die Stücke berühren und sogar vorsichtig ineinander gestellt werden – das spart Platz im Ofen. Stücke, die später nicht glasiert werden, solltest du allerdings nicht ineinander stellen, da sich durch unterschiedliche Brennatmosphären lokale Farbunterschiede ergeben können.

Effizienz im Ofen: Da die Stücke im Schrühbrand noch keine Glasur tragen, können sie – wie hier bei diesen Tellern – platzsparend gestapelt werden
Brand 2: Der Glasurbrand (oder auch Glattbrand) – jetzt wird's glatt
Nach dem Schrühbrand wird die Glasur auf den noch porösen Scherben aufgetragen – durch Tauchen, Gießen oder Pinseln. Die Poren des Scherbens saugen die wässrige Glasursuspension (oder geläufiger Flüssigglasur) an und sorgen dafür, dass eine gleichmäßige Schicht haften bleibt. Das funktioniert nur, weil der Scherben noch porös ist – ein überschrühter Scherben (zu hohe Schrühbrand-Temperatur) nimmt kaum noch Glasur an.
Beim Glasurbrand schmilzt die Glasur bei Temperaturen zwischen 1000 und 1280 °C – je nach Tonart und Glasurtyp – zu einer glatten, glasartigen Schicht auf der Oberfläche. Gleichzeitig verdichtet sich der Tonkörper weiter. Bei Steingut wird er dichter, aber noch nicht vollständig gesintert; bei Steinzeug und Porzellan sintert der Scherben beim Glasurbrand vollständig durch und wird wasserundurchlässig.
Vom matten Rohling zum glänzenden Unikat: Der Glasurbrand schmilzt die Glasurpulver zu einer dichten, farbigen Schicht und verwandelt den porösen Scherben in eine fertige, verglaste Keramik.
Typische Temperaturbereiche Glasurbrand
| Tonart | Schrühbrand | Glasurbrand |
|---|---|---|
| Steingut (Irdenware) | 900–950 °C | 1000–1100 °C |
| Steinzeug | 900–1000 °C | 1180–1260 °C |
| Porzellan | 900–1000 °C | 1260–1320 °C |
Die exakten Temperaturen hängen immer von der spezifischen Tonmasse und den Herstellerangaben der Glasur ab. Besonders bei Porzellan und modernen Steinzeug-Massen gibt es heute Varianten, die bereits bei deutlich niedrigeren Temperaturen (ab 1200 °C) vollständig ausreifen.
Beim Glasurbrand dürfen die Stücke sich nicht berühren, da die geschmolzene Glasur sonst zusammenklebt. Jedes Stück braucht rundum etwas Abstand. Außerdem muss die Bodenzone glasurfrei bleiben oder auf einem Dreifuß stehen – sonst klebt das Stück beim Brand auf der Brennplatte fest. Die Brennplatten sollten vor dem Glasurbrand mit Trennmittel eingestrichen werden.
Die Haltezeit am Ende des Glasurbrandes – typischerweise 10 bis 20 Minuten auf der Endtemperatur – ist wichtig, damit die Glasur vollständig und gleichmäßig aufschmelzen kann. Ohne Haltezeit kann es passieren, dass die Glasur in der Mitte des Ofens anders aussieht als am Rand.
Was ist der Einmalbrand – und warum macht man es nicht immer so?
Es gibt auch die Möglichkeit, Schrüh- und Glasurbrand in einem einzigen Brenngang zu kombinieren: das sogenannte Einbrandverfahren (geläufiger: Einmalbrand). Dabei wird die Glasur direkt auf den knochentrockenen, ungebrannten Ton aufgetragen und alles auf einmal gebrannt.
Das klingt verlockend – einmal aufheizen statt zweimal, weniger Energie, weniger Wartezeit. Und für erfahrene Töpfer mit bestimmten Tonen und Glasuren funktioniert es auch. Aber es gibt gute Gründe, warum der Standard-Weg über zwei Brände geht:
1) Erstens ist das Stück im ungebrannten Zustand sehr zerbrechlich. Schon beim Glasieren nimmt der Ton wieder Wasser auf und kann sich verformen oder beschädigt werden. 2) Zweitens muss beim Einbrand alles Kristallwasser durch die Glasurschicht entweichen – das kann Blasen, Krater oder Abblätterungen verursachen, vor allem bei dickwandigen Stücken oder niedrigschmelzenden Glasuren. 3) Drittens werden Fehler erst beim Einbrand sichtbar: Ein Stück, das beim Schrühbrand explodiert, nimmt im schlimmsten Fall andere Stücke im Ofen mit. Fliegt ein Schrühstück, entstehen nur Tonstücke ohne Glasur – kein Schaden an den Nachbarstücken.
Der linke Becher (Einmalbrand) zeigt trotz Zeitersparnis typische Fehler wie Nadelstiche, während der rechts klassisch geschrühte Becher eine überzeugende Glasuroberfläche aufweist. Bildquelle: Digitalfire
Wenn du das Einbrandverfahren dennoch ausprobieren möchtest, empfiehlt sich eine angepasste Brennkurve: sehr langsame Aufheizrate bis 200 °C mit einer Rast von 30 Minuten, dann erneut langsam bis 600 °C mit weiterer Rast, bevor es auf Endtemperatur geht.
Brand 3: Der Farbbrand – für Bemalung auf der fertigen Glasur
Manchmal ist nach dem Glasurbrand noch nicht Schluss. Wer seine fertig gebrannte Keramik mit feinen Mustern, detaillierten Motiven oder bestimmten Farben bemalen möchte, die eine hohe Brenntemperatur nicht überstehen würden, greift zur Aufglasurtechnik.
Dabei werden Aufglasurfarben – auch Muffelfarben genannt – auf die bereits fertig gebrannte und glasierte Oberfläche aufgetragen. Diese Farben bestehen aus pulverisierten Metalloxiden, denen ein Flussmittel beigemischt wurde. Das Flussmittel senkt die Schmelztemperatur so weit, dass der sogenannte Farbbrand bereits bei 750 bis 850 °C erfolgen kann.
Bei dieser Temperatur schmelzen die Farben sanft in die fertige Glasur ein und verbinden sich dauerhaft mit ihr. Sie werden abriebfest und wasserbeständig. Die Aufglasurtechnik hat eine jahrhundertelange Tradition: Die berühmte Porzellanmanufaktur Meißen entwickelte Anfang des 18. Jahrhunderts die ersten Aufglasurfarben für filigrane Dekorarbeiten. Heute stehen rund 500 verschiedene Aufglasurfarben zur Verfügung.
Der entscheidende Vorteil: Da der Farbbrand bei niedrigerer Temperatur stattfindet, überstehen auch empfindliche Farbtöne den Brand unbeschadet – insbesondere Rottöne, die bei Hochbrandtemperaturen verbrennen würden.
Kann man Glasur nochmal brennen – und warum würde man das tun?
Ja, es ist grundsätzlich möglich, bereits gebrannte Glasur erneut in den Ofen zu geben. Das nennt man einen Korrekturbrand oder wiederholten Glasurbrand. Es gibt verschiedene Situationen, in denen das sinnvoll sein kann:
Glasurfehler korrigieren: Wenn die Glasur nach dem Brand unschöne Stellen, zu dünne Bereiche oder einen ungleichmäßigen Verlauf aufweist, kann man eine weitere Glasurschicht auftragen und erneut brennen. Das Ergebnis ist aber nicht immer vorhersehbar – manchmal wird es besser, manchmal entstehen neue Unregelmäßigkeiten.
Zweite Glasurlage für Tiefenwirkung: Manche Effektglasuren entwickeln ihren vollen Charakter erst durch mehrere Lagen und Brände. Das ist keine Fehlerkorrektur, sondern bewusste Gestaltung.
Zu schwach ausgebrannte Farben: Wenn Glasurfarben nach dem Brand blasser ausgefallen sind als gewünscht, kann ein zweiter Brand manchmal die Intensität erhöhen – das hängt aber stark von der spezifischen Glasur ab.
Wichtig dabei: Wenn du über eine bereits gebrannte Glasur eine neue Glasurschicht aufträgst, trocknet diese langsamer als auf einem Scherben – die glatte Glasuroberfläche saugt das Wasser nicht mehr auf. Manche Keramiker wärmen das Stück vorher kurz auf 60 bis 100 °C an, damit die Glasur besser haftet. Brenne nie höher als beim letzten Glasurbrand, sonst riskierst du, dass die bestehende Glasur wieder übermäßig fließt.
Schrühbrand-Temperatur höher als Glasurbrand – geht das?
Eine interessante Variante für Fortgeschrittene: den Schrühbrand höher brennen als den nachfolgenden Glasurbrand. Das klingt ungewöhnlich, hat aber einen praktischen Grund. Wenn beim normalen Zweibrandverfahren Blasen, Nadelstiche oder Krater auf der Glasur entstehen, liegt das oft daran, dass Gase aus dem Tonkörper beim Glasurbrand durch die bereits schmelzende Glasur entweichen müssen.
Brennt man den Schrühbrand höher – zum Beispiel auf 1060 °C statt der üblichen 950 °C –, sind diese Gase bereits vor dem Glasurbrand ausgetrieben. Im Glasurbrand, der dann knapp darunter liegt (z.B. 1040 °C), gibt es kaum noch etwas aus dem Scherben, das durch die Glasur hindurch müsste.
Diese Methode funktioniert gut mit modernen Flüssigglasuren und einigen Tonmassen. Sie hat aber zwei Einschränkungen: Der Scherben wird dichter und nimmt Glasur schlechter auf, und für Außenkeramik (Frostfestigkeit erfordert hohe Glasurbrandtemperaturen) ist sie nicht geeignet. Brenntemperatur der verwendeten Masse immer vorab prüfen.
Wann wie viele Brände?
Einbrand
Glasur direkt auf knochentrockenen Ton, alles in einem Gang. Für Fortgeschrittene, angepasste Brennkurve nötig, höheres Risiko.
Zweibrand (Standard)
Schrühbrand → glasieren → Glasurbrand. Das ist der empfohlene Standardweg für alle Einsteiger und die meisten Projekte.
Dreibrand
Schrühbrand → Glasurbrand → Farbbrand mit Aufglasurfarben. Für detailreiche Bemalung auf Porzellan, Fayence oder glasierter Keramik.
Vier und mehr Brände
Korrektur- oder Nachglasieren, weitere Aufglasurschichten, spezielle Effekte. Eher für erfahrene Keramiker und besondere Techniken.
Was passiert mit dem Ton bei jedem weiteren Brand?
Ein wichtiger Grundsatz: Jeder Brand verändert den Ton weiter – und viele dieser Veränderungen sind irreversibel. Sobald Ton gebrannt wurde, ist er kein Ton mehr im ursprünglichen Sinne. Er kann nicht mehr eingeweicht und neu geformt werden.
Das hat praktische Konsequenzen: Wenn ein Stück beim Schrühbrand zerspringt, sind die Scherben verloren – sie können nicht wiederverwendet werden. Ein ungebranntes Stück hingegen kann, solange es noch nicht im Ofen war, eingeweicht und der Ton aufbereitet werden.
Mit jedem weiteren Brand verdichtet sich der Scherben etwas mehr. Beim Glasurbrand schließen sich die meisten Poren durch das Sintern. Wer ein Stück korrigieren oder nachbessern möchte, sollte das möglichst vor dem Glasurbrand tun – danach sind die Möglichkeiten begrenzt.
Kann man Keramik auch zu oft brennen?
Theoretisch ja. Jeder Brand bedeutet thermischen Stress für das Material. Häufiges Wiederholtes Aufheizen und Abkühlen kann dazu führen, dass feine Risse entstehen – besonders wenn die Glasur und der Tonkörper unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten haben. Außerdem kann Glasur bei jedem weiteren Brand fließen und verlaufen, besonders wenn sie schon beim ersten Mal an die Grenzen ihrer Brenntemperatur gebracht wurde.
Als Faustregel gilt: Dritte Brände (Farbbrand) sind problemlos, wenn sie auf der richtigen, niedrigen Temperatur gebrannt werden. Korrekturglasbrand auf gleicher oder niedrigerer Temperatur ist in der Regel ebenfalls unproblematisch. Mehrfaches Brennen auf hohen Temperaturen aber ist nicht empfehlenswert und liefert selten vorhersehbare Ergebnisse.
Was bedeutet das für den Einstieg?
Als Einsteiger reicht es vollständig, den klassischen Zweibrand-Weg zu gehen: Schrühbrand, glasieren, Glasurbrand. Das ist der verlässlichste Weg, schöne und haltbare Ergebnisse zu erzielen. Den Schrühbrand bei etwa 900 bis 960 °C, den Glasurbrand bei der für deinen Ton und deine Glasur angegebenen Temperatur – und mit einem programmierbaren Regler lässt sich das sehr gut kontrollieren.
Wer seinen ersten eigenen Ofen kauft oder sich fragt, welches Modell für den Einstieg geeignet ist, findet bei uns eine ausführliche Übersicht: Formwerk Berlin – Brennöfen. Passende Regler, die eine präzise Programmierung von Aufheizrampen und Haltezeiten ermöglichen, gibt es hier: Regler für Pyrotec Brennöfen und Bentrup Regler für Kittec Brennöfen.
Für alle, die zu Hause oder im kleinen Atelier ohne Starkstromanschluss starten möchten, ist der Pyrotec Profitherm PY 75 H eine gute Wahl.
Häufige Fragen kurz beantwortet
Kann ich Glasur direkt auf ungebrannten Ton auftragen?
Ja, das ist das Einbrandverfahren – aber es ist fehleranfälliger. Für Einsteiger empfehlen wir den klassischen Weg über Schrühbrand und Glasurbrand.
Kann ich ein Stück nach dem Schrühbrand nochmal formen oder reparieren?
Nein. Nach dem Schrühbrand sind die Veränderungen im Ton irreversibel. Das Stück kann nicht mehr eingeweicht oder verformt werden.
Was passiert, wenn ich den Glasurbrand zu hoch brenne?
Die Glasur kann übermäßig fließen, vom Stück laufen und im schlimmsten Fall die Brennplatte oder den Ofen beschädigen. Immer die angegebene Brenntemperatur der Glasur einhalten.
Muss ich nach dem Farbbrand nochmal glasieren?
Nein. Der Farbbrand ist in der Regel der letzte Brenngang. Die Aufglasurfarben schmelzen in die fertige Glasur ein – es folgt keine weitere Glasurschicht.
Kann ich Keramik aus dem Handel (z.B. Bisquit-Rohlinge) zu Hause glasieren und brennen?
Ja. Fertig geschrühte Bisquit-Rohlinge können direkt glasiert und im Glasurbrand gebrannt werden. Du sparst dir den Schrühbrand – achte nur darauf, dass Glasurtemperatur und Ton zusammenpassen.
Fazit
Keramik zweimal brennen – das ist nicht Aufwand um des Aufwands willen, sondern folgt einer logischen handwerklichen Abfolge. Der Schrühbrand bereitet den Scherben vor: fest, porös, stabil. Der Glasurbrand vollendet das Stück: dicht, glatt, wasserabweisend. Wer anschließend mit Aufglasurfarben arbeiten möchte, ergänzt einen dritten Brand bei niedrigerer Temperatur.
Als Einsteiger wirst du schnell merken, dass diese Zweiteilung echte Vorteile hat: Fehler werden früh sichtbar, das Glasieren macht mehr Spaß auf einem festen Scherben, und das Ergebnis ist zuverlässiger als beim Einbrandverfahren. Mit der Zeit lernst du, die Brände gezielt zu steuern – und ein guter Ofen mit programmierbarem Regler ist dabei dein verlässlichster Helfer.
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Viel Freude beim Glasieren und gute Brände wünscht das Formwerk Berlin Team
