AMACO Potter's Choice Glasuren: Der vollständige Guide zur Cone 5/6-Serie

AMACO Potter's Choice Glasuren: Der vollständige Guide zur Cone 5/6-Serie

Wenige Glasurserien haben in den letzten Jahren so viel Aufmerksamkeit bekommen wie die Potter's Choice Serie von AMACO. Was ursprünglich als Versuch begann, klassische Reduktionsbrand-Optik im normalen Elektroofen verfügbar zu machen, ist heute eine der meistgenutzten Glasur-Kollektionen weltweit – mit über 70 Farben, eindrucksvollen Tiefen-Effekten und nahezu unbegrenzten Kombinationsmöglichkeiten beim Layering.[1]

Wir bei Formwerk Berlin bekommen praktisch täglich Fragen zur PC-Serie: Welche Glasur passt zu welchem Ton? Wie trage ich sie richtig auf? Welche Kombinationen funktionieren beim Layering? Und warum sieht meine Glasur nicht aus wie auf den AMACO-Bildern? In diesem ausführlichen Leitfaden erklären wir die Kollektion umfassend – von der technischen Grundlage bis zu konkreten Anwendungs-Tipps und Layering-Strategien.

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Wichtiger Hinweis: Alle hier wiedergegebenen Informationen wurden nach bestem Wissen und auf Grundlage von Erfahrungen aus der Praxis zusammengestellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung und ersetzen nicht die Angaben des Herstellers. Vor der Verwendung einer Glasur bitte unbedingt das jeweilige Produktdatenblatt sowie die Hinweise auf der Verpackung lesen und beachten. Maßgeblich sind ausschließlich die aktuellen Herstellerangaben. 

Inhalt dieses Beitrags


Was ist die Potter's Choice Kollektion?

Die Potter's Choice Serie (kurz: PC) ist eine Glasurkollektion des US-amerikanischen Herstellers AMACO (American Art Clay Company), die speziell für den Mittelbrand bei Kegel 5 bis 6 entwickelt wurde – also für Temperaturen zwischen 1.186 °C und 1.222 °C im normalen Elektroofen.[1] Mit aktuell über 70 Glasuren (Stand 2026, inklusive der neuen Farben PC-13 Serpentine Green, PC-14 Lapis Flow, PC-18 Tuscan Blue, PC-19 Moon River und PC-69 Cosmic Gold Dust) gehört die Serie zu den umfangreichsten kommerziellen Pinselauftrags-Kollektionen am Markt.[2]

Logo des US-amerikanischen Herstellers AMACO 

Das Besondere ist nicht die Vielfalt allein. PC-Glasuren wurden mit dem ausdrücklichen Anspruch entwickelt, die visuellen Effekte traditioneller asiatischer und europäischer Reduktionsbrand-Glasuren in einem normalen Elektro-Oxidationsofen zu reproduzieren.[3] Damit zielen sie auf eine Anwendergruppe, die jahrzehntelang vom Markt unterversorgt war: Töpfer, die Steinzeug-Optik wollen, aber keinen Gasofen besitzen oder betreiben können.

In der Praxis bedeutet das: Du kannst mit einem ganz normalen Brennofen – zum Beispiel einem Pyrotec oder Kittec aus unserem Sortiment – Ergebnisse erzielen, die optisch an traditionelle Tenmoku-, Shino- oder Celadon-Glasuren erinnern, ohne jemals mit einer reduzierenden Atmosphäre brennen zu müssen. Das ist technisch nicht selbstverständlich und einer der Gründe, warum die Serie sich in den USA und Europa fest etabliert hat.

Vorstellung der neuen AMACO PC Glasuren in 2025


Reduktionseffekte ohne Reduktionsbrand: das Versprechen der Serie

Um zu verstehen, was an Potter's Choice technisch besonders ist, lohnt sich ein kurzer Blick auf den Unterschied zwischen Oxidations- und Reduktionsbrand. Ein normaler Elektroofen brennt in oxidierender Atmosphäre – das heißt, es ist genug Sauerstoff vorhanden, damit Metalloxide in der Glasur in ihrem höchsten Oxidationszustand verbleiben. Eisen erscheint dann meist gelblich bis braun, Kupfer grünlich.

In einem Gasofen mit Reduktionsbrand wird der Sauerstoff in der Endphase aktiv zurückgenommen. Das zwingt die Metalloxide, Sauerstoff aus der Glasur abzugeben, und verändert ihre Farbe und Oberfläche dramatisch. Eisen wird tiefrot bis schwarz, Kupfer erscheint rot oder violett. Genau diese Effekte sind das, was klassische asiatische Glasuren wie Tenmoku, Celadon oder Oxblood visuell auszeichnet.

Der Trick bei Potter's Choice liegt in der Rezeptur selbst: AMACO hat die Glasuren so formuliert, dass die optischen Effekte – Tiefe, Fluss, Farbumschlag, kristalline Strukturen – durch die chemische Zusammensetzung der Glasur selbst erzeugt werden, nicht durch eine reduzierende Atmosphäre.[4] Das Ergebnis: Du bekommst eine optisch sehr nahe Approximation an Reduktionsbrand-Glasuren, gebrannt im völlig normalen Elektroofen.

Klassische Reduktionsbrand-Optik im Elektroofen: PC-12 Blue Midnight zeigt die fließenden Tiefenfarben, für die früher ein Gasofen nötig war. Foto: AMACO Brent.

Wichtig zur Ehrlichkeit: Eine PC-Glasur ist nicht identisch mit einer echten Reduktionsbrand-Glasur. Erfahrene Töpfer erkennen den Unterschied, und für puristische Anhänger der klassischen Tradition bleibt der Gasofen die einzig wahre Lösung. Für 95 % aller Anwendungen jedoch – Hobby, Studio, kleine Manufaktur – sind die PC-Effekte überzeugend genug, um den Aufwand eines Gasofens nicht zu rechtfertigen.


Brenntemperatur und technische Eckdaten

Die PC-Serie ist klar definiert in ihren Brennbedingungen. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Eckdaten zusammen:[1]

Parameter Wert
Schrühbrand (Bisque) Cone 04 = 1.063 °C
Glasurbrand minimum Cone 5 = 1.186 °C
Glasurbrand optimal Cone 6 = 1.222 °C
Ofenatmosphäre Oxidation (Elektroofen)
Anwendungstechnik Pinselauftrag (Brushing)
Empfohlene Schichten 3 (für volle Farbintensität)
Verfügbare Gebinde 16 oz (ca. 473 ml) und 1 Gallone (ca. 3,8 l)

Diese Temperaturen beziehen sich auf einen mittelschnellen Brand – also etwa 150 °C pro Stunde in den letzten 100 °C des Brandes.[5] Wer schneller oder langsamer brennt, bekommt unter Umständen leicht abweichende Ergebnisse, weil die Glasurchemie zeitabhängig reagiert. Eine ausführliche Erklärung dazu, was Brennkegel überhaupt bedeuten und welche Temperatur sich hinter Cone 5, 6 oder 04 verbirgt, findest du in unserem Beitrag Werte pyrometrischer Kegel.

Ein wichtiger Hinweis: Die PC-Serie ist auch bei höheren Temperaturen stabil. AMACO selbst weist darauf hin, dass viele PC-Glasuren bei Cone 10 weiterhin schöne, wenn auch teilweise veränderte Ergebnisse liefern.[6] Wer einen Ofen hat, der höher brennt, kann also experimentieren – allerdings auf eigene Gefahr, denn manche Glasuren laufen bei höheren Temperaturen deutlich stärker.


Die Farbfamilien der PC-Serie im Überblick

Über 70 Glasuren sind viel – zu viel, um sie linear durchzugehen. Wir gruppieren sie deshalb in neun ästhetisch und chemisch verwandte Farbfamilien. Diese Einteilung ist nicht von AMACO selbst, sondern unsere praktische Sortierung aus Erfahrung im Beratungsalltag.

1. Metallische Effekte

PC-1 Saturation Metallic, PC-2 Saturation Gold, PC-4 Palladium, PC-9 Vintage Gold. Diese Glasuren erzeugen schimmernde, metallisch wirkende Oberflächen mit kristallinen Auswüchsen. Sie sind die visuell auffälligsten der Serie, eignen sich aber eher für dekorative Stücke – PC-4 und PC-9 sind nicht lebensmittelecht.[7]

Der Farbton PC-2 Saturation Gold

2. Blautöne

PC-11 Blue Spark, PC-12 Blue Midnight, PC-14 Lapis Flow, PC-18 Tuscan Blue, PC-20 Blue Rutile, PC-21 Arctic Blue, PC-22 Blue Stone, PC-23 Indigo Float, PC-24 Sapphire Float, PC-26 Blue Lagoon. Die Blau-Familie ist die größte der Serie. Besonders PC-12 Blue Midnight und PC-20 Blue Rutile sind absolute Bestseller – tiefe, fließende Blautöne mit ausgeprägter Tiefe.

Der Farbton PC-23 Indigo Float

3. Türkis & sanfte Grüntöne

PC-13 Serpentine Green, PC-25 Textured Turquoise, PC-27 Tourmaline, PC-28 Frosted Turquoise, PC-42 Seaweed, PC-43 Toasted Sage, PC-44 Sage. Ruhige, oft seladonartige Töne. PC-25 Textured Turquoise entwickelt auf strukturierten Oberflächen ein faszinierendes Spiel aus hellen und dunklen Stellen.

Der Farbton PC-27 Tourmaline

4. Erdige Brauntöne und Steinzeug-Optik

PC-31 Oatmeal, PC-32 Albany Slip Brown, PC-33 Iron Lustre, PC-34 Light Sepia, PC-36 Ironstone, PC-61 Textured Amber, PC-62 Textured Amber Brown, PC-68 Golden Honey. Diese Familie liefert die klassische Steinzeug-Anmutung – warm, erdig, ehrlich. PC-31 Oatmeal ist eine der vielseitigsten Layering-Glasuren der gesamten Serie.

Der Farbton PC-31 Oatmeal

5. Klassische Reduktionsbrand-Approximation

PC-30 Temmoku, PC-40 True Celadon, PC-41 Vert Lustre. Diese drei sind die unmittelbarsten Hommagen an die asiatische Tradition. PC-30 Temmoku erzeugt das tiefschwarze, glänzende Finish der gleichnamigen japanischen Schale, PC-40 True Celadon liefert das namensgebende grünliche Halbtransparent.

Der Farbton PC-30 Temmoku

6. Rote, violette und kupferfarbene Töne

PC-55 Chun Plum, PC-56 Ancient Copper, PC-57 Smokey Merlot, PC-59 Deep Firebrick, PC-70 Copper Red, PC-71 Flambé. Die wahrscheinlich dramatischsten Glasuren der Serie. PC-70 Copper Red und PC-71 Flambé reproduzieren klassische Oxblood-Effekte aus dem chinesischen Reduktionsbrand.

Der Farbton PC-57 Smokey Merlot

7. Die Cosmic-Linie (Spezialeffekte)

PC-63 Cosmic Tea Dust, PC-65 Black Aventurine, PC-66 Cosmic Oil Spot, PC-67 River Rock, PC-69 Cosmic Gold Dust. Eine eigene Unterfamilie mit besonders ausgeprägten Kristall- und Punkteffekten – inspiriert von chinesischen „Öltropfen"-Glasuren des Song-Dynastie-Stils.

Der Farbton PC-63 Cosmic Tea Dust

8. Texturierte Spezialeffekte

PC-17 Honey Flux, PC-19 Moon River, PC-29 Deep Olive Speckle, PC-38 Iron Yellow, PC-49 Frosted Melon, PC-52 Deep Sienna Speckle, PC-53 Ancient Jasper. Diese Glasuren entwickeln ihre volle Wirkung erst auf strukturiertem oder texturiertem Untergrund – flach aufgetragen wirken sie oft zurückhaltend, aber sobald sie über Relief laufen, brechen sie spektakulär auf.

Der Farbton PC-17 Honey Flux

9. Neue Glasuren in der Serie

In der aktuellen Sortimentserweiterung sind fünf neue Glasuren hinzugekommen: PC-13 Serpentine Green, PC-14 Lapis Flow, PC-18 Tuscan Blue, PC-19 Moon River und PC-69 Cosmic Gold Dust.[2] Wer den vollständigen Überblick haben will: alle Farben mit Beispielbildern findest du in unserer PC-Glasur-Kollektion im Shop.


Übersicht der vollständigen Potter's Choice Kollektion. Quelle: AMACO Potter's Choice Brochure.[1]


Anwendung: Wie du Potter's Choice richtig aufträgst

Wenn deine PC-Stücke nicht aussehen wie auf den AMACO-Beispielbildern, gibt es dafür in 9 von 10 Fällen eine einzige Ursache: Du trägst die Glasur zu dünn auf.[8] Das ist nicht abwertend gemeint – fast alle Anfänger machen diesen Fehler, und auch viele erfahrene Töpfer unterschätzen, wie dick PC-Glasuren wirklich aufgetragen werden müssen.

AMACO empfiehlt für Potter's Choice grundsätzlich drei Pinselaufträge – jede Schicht in einer anderen Richtung (z. B. erste horizontal, zweite vertikal, dritte diagonal), und jede Schicht vollständig trocken, bevor die nächste folgt.[1] Der Unterschied zwischen einer und drei Schichten ist nicht graduell, sondern visuell dramatisch: Bei einer Schicht erscheint die Glasur dünn und blass, bei drei Schichten entfaltet sie ihre volle Tiefe und Fluss-Charakteristik.

Praxistipp: Wenn du unsicher bist, ob du dick genug aufgetragen hast – du hast es wahrscheinlich nicht. Vier dünne Schichten sind besser als zwei dicke Schichten mit Tropfnasen. Plane bei einer typischen Tasse etwa 15–20 Minuten reine Auftragszeit ein.

Auch wichtig: PC-Glasuren werden ausschließlich auf Schrühbrand bei Cone 04 aufgetragen, also auf den klassisch geschrühten Scherben. Mehr zum Schrühbrand und warum die richtige Brenntemperatur dabei entscheidend ist, findest du in unserem Beitrag Was ist ein Schrühbrand?

Offizielles Tutorial zum Auftragen der Glasuren von AMACO


Layering: Der eigentliche Trick der Serie

Layering – das Übereinanderschichten verschiedener Glasuren – ist der eigentliche Grund, warum die Potter's Choice Serie so populär ist. Eine PC-Glasur allein ist schon eindrucksvoll. Zwei PC-Glasuren, gezielt übereinandergelegt, schaffen Effekte, die kaum eine andere kommerzielle Kollektion erreicht.[9]

Der Grundgedanke ist einfach: Du trägst zuerst eine PC-Glasur in 1–2 Schichten auf. Sobald diese trocken ist, kommt darüber eine zweite PC-Glasur in 1–2 Schichten. Beim Brand reagieren die beiden Glasuren chemisch miteinander – die obere Schicht beginnt zu fließen, durchdringt die untere stellenweise, und es entstehen Effekte, die du mit einer einzelnen Glasur niemals erzeugen könntest: Marmorierungen, Tropfnasen, Farbumschläge, Tiefen-Überlagerungen.

AMACO unterscheidet dabei drei Layering-Welten, die jeweils eigene Charakteristiken haben:[1]

Variante 1: PC über PC

Die häufigste und einsteigerfreundlichste Layering-Methode. Beide Glasuren stammen aus der gleichen Serie und haben dadurch ähnliche Schmelzeigenschaften – das Risiko, dass alles ungleichmäßig läuft oder sich abstößt, ist minimal. Klassiker für den Einstieg:

  • PC-31 Oatmeal über PC-33 Iron Lustre – eine der bekanntesten Kombinationen überhaupt. Erzeugt cremige Tropfeffekte über tiefer Erdfarbe.
  • PC-41 Vert Lustre über PC-57 Smokey Merlot – metallisch-grüne Akzente auf warmem Pflaumton.
  • PC-20 Blue Rutile über PC-30 Temmoku – dramatische blau-schwarze Tiefe.

Variante 2: PC über Celadon

Die AMACO Celadon-Serie brennt im gleichen Temperaturbereich wie Potter's Choice und liefert eine klare, oft halbtransparente Basisfarbe. Eine PC-Glasur darüber gelegt erzeugt besonders elegante Übergänge und stärkere Kontraste:

  • PC-57 Smokey Merlot über C-1 Obsidian – tiefes Schwarz mit pflaumefarbenen Akzenten
  • PC-21 Arctic Blue über C-20 Cobalt – tiefblauer Grund mit hellen Eisblau-Fließspuren

Variante 3: PC über Shino

Die Shino-Serie von AMACO bringt eine eigene matte oder satinierte Textur mit. Wenn du PC-Glasuren darüber legst, entstehen besonders ungewöhnliche Effekte – die Schino-Basis bricht die PC-Glasur an manchen Stellen auf:

  • PC-27 Tourmaline über SH-12 Chai Matte – warme Türkis-Akzente auf cremig-matter Basis
  • PC-61 Textured Amber über SH-41 Oolong Gloss – tiefe Bernsteinfarbe mit goldenem Schimmer

Wichtige Layering-Regel: Trage am Rand und am oberen Drittel des Stücks die obere Glasur etwas dünner auf. Beim Brand läuft die Glasur nach unten – wenn du oben zu dick aufträgst, sammelt sich am unteren Rand eine Tropfnase, die sich auf der Ofenplatte verkleben kann.

Die vollständigen Layering-Kombinationen mit über hundert getesteten Glasurpaarungen findest du in den offiziellen AMACO-Layering-Charts.[10] Wir empfehlen jedem Einsteiger, vor dem ersten Layering-Versuch auf einer fertigen Tasse zunächst Probekacheln anzufertigen. Eine Stunde Investition spart später viele frustrierte Brände.


Welcher Tonkörper passt zu welcher Glasur?

Ein Aspekt, den Anfänger oft unterschätzen: Die gleiche PC-Glasur sieht auf unterschiedlichen Tonarten völlig anders aus.[1] AMACO selbst weist explizit darauf hin, dass der Tonkörper die finale Optik genauso stark beeinflusst wie die Glasurchemie selbst.

Konkrete Auswirkungen am Beispiel der grünlichen PC-40 True Celadon:

  • Auf weißem Steinzeug: klares, helles Grün mit guter Transparenz
  • Auf hellem Buff-Steinzeug: warmes Grün mit cremigem Unterton
  • Auf braunem Steinzeug: tiefes, gedämpftes Olivgrün
  • Auf Terracotta: dunkles, fast moosfarbenes Grün mit hohem Eisenanteil-Effekt

Die meisten PC-Beispielbilder bei AMACO und in dieser Übersicht zeigen Anwendungen auf AMACO 46-M Buff Stoneware Clay – ein klassisches helles Steinzeug.[1] Wer ein vergleichbares Ergebnis erzielen will, sollte sich an dieser Tonart orientieren. Eine gute europäische Alternative findest du in unserem Steinzeug-Sortiment.

Wer mit dunklerem oder rotbrennendem Ton arbeitet, sollte vorher Probekacheln machen – die Farbveränderung kann dramatisch sein, aber auch reizvoll. Manche Töpfer setzen den Tonkörper bewusst als zusätzliches Gestaltungselement ein, indem sie an manchen Stellen den Scherben durchscheinen lassen.


Lebensmittelechtheit und Sicherheit

Die Lebensmittelechtheit ist eines der wichtigsten Kriterien bei Glasuren – besonders für Töpfer, die Geschirr verkaufen oder verschenken. Die große Mehrheit der Potter's Choice Glasuren ist lebensmittelecht, aber es gibt klare Ausnahmen, die du kennen solltest.[7]

Die Verpackungsflaschen der Potter's Choice Glasuren tragen alle eine deutlich erkennbare Kennzeichnung, ob sie für den Lebensmittelkontakt geeignet sind oder nicht. Auf dem Bild oben ist dies anhand des Symbols mit Glas und Gabel erkennbar - dazu steht der Hinweis "Food Safe".

Drei Glasuren der PC-Serie sind nicht für Lebensmittelkontakt geeignet:

  • PC-4 Palladium – metallische Effektglasur, nur für dekorative Anwendungen
  • PC-9 Vintage Gold – goldglänzende Effektglasur, nur für dekorative Anwendungen
  • PC-64 Aventurine – kristalline Effektglasur, nur für dekorative Anwendungen

Die meisten anderen PC-Glasuren sind nach ASTM D-4236 zertifiziert – einem US-Standard für die Sicherheit von Kunstmaterialien, der toxische Inhaltsstoffe ausschließt.[11] Zusätzlich sind die meisten PC-Glasuren als „food safe" eingestuft, was bedeutet, dass sie für direkten Kontakt mit Lebensmitteln und Getränken freigegeben sind.

Ein praktischer Hinweis: Auch lebensmittelechte Glasuren entwickeln ihre volle Sicherheit erst, wenn sie korrekt durchgebrannt sind. Eine zu niedrig gebrannte Glasur kann auch im lebensmittelechten Spektrum problematisch werden, weil sie nicht vollständig in den Scherben einbindet. Im Zweifel lieber eine halbe Stufe höher brennen als zu niedrig.

Wichtiger Hinweis: Soll die Keramik im Zusammenhang mit Lebensmitteln eingesetzt werden, immer vor der Anwendung das beiliegende Produktdatenblatt lesen oder auch auf die Verpackung der Glasur schauen, um die dortigen Hinweise zur Lebensmittelechtheit zu beachten. Alle hier angegebenen Informationen wurden nach bestem Gewissen recherchiert, können jedoch im Laufe der Zeit ihre Aktualität verlieren.


Häufige Probleme und Troubleshooting

In unserer täglichen Beratung tauchen immer wieder dieselben Probleme auf. Hier die fünf häufigsten – mit konkreten Lösungen:

Problem 1: Die Glasur sieht nicht aus wie auf dem Bild.
In über 80 % der Fälle: zu dünn aufgetragen. Drei dicke Schichten sind das Minimum. Falls du dir sicher bist, dass du dick genug aufgetragen hast – prüfe die Brenntemperatur. Eine PC-Glasur, die statt auf Cone 5/6 nur auf Cone 04 gebrannt wurde, sieht stumpf und unfertig aus.[8]

Problem 2: Tropfnasen am Boden / Glasur klebt an Ofenplatte.
PC-Glasuren sind fließfähig – das ist der ganze Witz. Die Konsequenz: Du musst am unteren Drittel deines Stücks die Glasur etwas dünner auftragen, mindestens 1 cm Glasurfreiraum am Boden lassen, und Stücke immer auf einer mit Brennplatten-Trennmittel behandelten Ofenplatte stehen lassen. 

Problem 3: Nadellöcher (Pinholing) in der Oberfläche.
Kleine Krater in der Glasur. Drei mögliche Ursachen: Der Schrühbrand war zu schnell (Restwasser im Scherben), die Glasur wurde zu schnell hochgefahren, oder der Scherben hatte beim Glasieren Staub oder Fettrückstände. Lösung: Schrühbrand mit ausreichender Haltezeit, langsamerer Glasurbrand-Anstieg, Stücke vor dem Glasieren mit feuchtem Schwamm abwischen.

Problem 4: Krakelee (feine Risse in der Glasur).
Bei manchen PC-Glasuren ist Krakelee Teil des gewünschten Effekts (z. B. bei der Tenmoku-Optik). Wenn er ungewollt auftritt, liegt es meist an unterschiedlichem Ausdehnungsverhalten von Scherben und Glasur. Lösung: anderen Tonkörper testen oder die Glasur langsamer abkühlen lassen.

Problem 5: Glasur stößt sich beim Brand vom Scherben ab (Crawling).
Die Glasur reißt vor dem Schmelzen auf und zieht sich in „Inseln" zusammen. Meist verursacht durch zu dicken Auftrag in einer einzigen Schicht oder durch staubigen Untergrund. Lösung: mehrere dünnere statt eine sehr dicke Schicht, Scherben gründlich entstauben.


Häufige Fragen zur Potter's Choice Serie

Sind Potter's Choice Glasuren bleifrei?
Ja, alle PC-Glasuren sind bleifrei und entsprechen dem US-Standard ASTM D-4236 für die Sicherheit von Kunstmaterialien.[11]

Kann ich PC-Glasuren auch im Gasofen brennen?
Ja, technisch funktioniert das. Die PC-Serie wurde aber explizit für den Elektro-Oxidationsofen entwickelt – im Gasofen mit Reduktionsatmosphäre verhalten sich die Glasuren chemisch anders und können unerwartet reagieren. Wer einen Gasofen hat, kann das ausprobieren, sollte aber nicht erwarten, dass das AMACO-Beispielbild reproduziert wird.

Wie viele Schichten brauche ich wirklich?
AMACO empfiehlt offiziell drei Schichten, und das ist auch unsere Erfahrung. Manche Glasuren entwickeln sogar bei vier Schichten interessante Effekte. Eine Schicht ist immer zu wenig.[1]

Welche Glasur eignet sich für Tassen und Becher?
Für Trinkgefäße sind alle lebensmittelechten PC-Glasuren geeignet – also die gesamte Serie außer PC-4, PC-9 und PC-64. Achte aber darauf, dass die Glasur am Trinkrand sauber und nicht zu rau aufgetragen wird. Klassiker sind PC-12 Blue Midnight, PC-31 Oatmeal und PC-30 Temmoku.

Welcher Pinsel ist für PC-Glasuren am besten?
AMACO empfiehlt breite, weiche Glasurpinsel mit guter Wasseraufnahme. Ein 25 mm-Flachpinsel ist für die meisten Tassen und Schalen ideal. Wichtiger als die Pinselmarke ist die Auftragstechnik: gleichmäßig und in mehreren Richtungen.

Welche Probleme gibt es beim Versand der flüssigen Glasur im Winter?
PC-Glasuren sind wasserbasiert und sollten nicht einfrieren. Wenn dein Paket bei Minusgraden geliefert wurde und du Flockenbildung in der Glasur bemerkst, ist die Glasur meist noch verwendbar – kräftig schütteln und über Nacht ruhen lassen. Bei mehrmaligem Einfrieren kann die Bindemittel-Struktur beschädigt sein.


Fazit: Eine der vielseitigsten Glasurkollektionen für den Mittelbrand

Die Potter's Choice Serie von AMACO ist nicht ohne Grund zu einer der weltweit meistgenutzten Mittelbrand-Glasurkollektionen geworden. Mit über 70 Glasuren, gut dokumentierter Sicherheit, breiter Layering-Kompatibilität und der Fähigkeit, klassische Reduktionsbrand-Optik im Elektroofen zu erzeugen, deckt sie ein Spektrum ab, für das du sonst mehrere Hersteller kombinieren müsstest.

Die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren bleiben dabei dieselben: dick auftragen (mindestens drei Schichten), auf Cone 5/6 brennen (nicht darunter), und vor Großserien mit Probekacheln testen. Wer diese drei Punkte beherzigt, bekommt verlässlich Ergebnisse, die optisch mit professionellen Studioarbeiten mithalten.

Bei uns im Formwerk-Berlin-Sortiment findest du die gesamte Potter's Choice Kollektion in 473-ml-Gebinden. Wir beraten dich gern, welche Farben und Kombinationen zu deinen Vorhaben passen – und wenn du gerade erst einsteigst, helfen wir dir auch beim Aufbau eines sinnvollen Starter-Sets.

Weitere Beiträge zum Thema Glasieren und Brennen


Quellen

  1. AMACO Brent: Potter's Choice Brochure, offizielle Produktbroschüre 2025/2026, abrufbar unter amaco.com.
  2. AMACO Brent: Potter's Choice Glaze Series Product Page, AMACO Shop. shop.amaco.com/glazes-underglazes/high-fire-glazes/pc-potters-choice.
  3. The Ceramic Shop: Amaco Potter's Choice Cone 6 Glazes – „Made for anyone who would like to achieve the cone 10 reduction effects without using a reduction gas kiln or firing at a cone 10 high temperature." theceramicshop.com.
  4. Utrecht Art Supplies: Amaco Potter's Choice Glazes Product Description – „These lead-free glazes are made to fire at Cone 5-6 (…) in an oxidation kiln." utrechtart.com.
  5. Brackers Good Earth Clays: AMACO Potter's Choice Glazes Firing Schedule – „Cone 5 = 1184°C (at 150°C/hour for the final 100°C of firing)". goodearthclays.com.
  6. AMACO Brent: Potter's Choice Brochure, Abschnitt „Turn Up The Heat" – Stabilität der Glasuren über Cone 6 hinaus, Beispiele für Cone-10-Ergebnisse.
  7. AMACO Brent: Potter's Choice FAQ – „All Potter's Choice glazes hold a food safety status except PC-4 Palladium, PC-9 Vintage Gold and PC-64 Aventurine."
  8. AMACO Brent: Potter's Choice Brochure, Abschnitt „Not Getting The Results You Expected?" – „If your Potter's Choice pieces aren't turning out quite like ours, chances are you still aren't applying the glaze thick enough."
  9. AMACO Brent: Potter's Choice Brochure, Abschnitt „The Potter's Choice Advantage" – „Great for layering with other Potter's Choice glazes, AMACO Celadons, or AMACO Shino glazes."
  10. AMACO Brent: Layering Charts, Online-Referenz. amaco.com/layering.
  11. ACMI (Art and Creative Materials Institute): ASTM D-4236 Standard Practice for Labeling Art Materials for Chronic Health Hazards. AMACO Potter's Choice Glasuren tragen das AP/CL-Siegel und entsprechen diesem Standard.

Hinweis: Alle Angaben zu Brenntemperaturen, Schichtdicken und Layering-Kombinationen sind Richtwerte und basieren auf Herstellerangaben sowie unserer Beratungserfahrung. Tatsächliche Ergebnisse können je nach Ofen, Brennkurve, Tonart und individueller Anwendung abweichen. Vor Großserien empfehlen wir immer Probekacheln.

Formwerk Berlin

Viel Erfolg mit deinen Potter's Choice Glasuren wünscht das Formwerk-Berlin Team

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